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Die Kraft des Glaubens

6 November 2015 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Die Kraft des Glaubens I – Vom richtigen Denken und Handeln

Die Winterzeit ist für viele von uns eine Zeit des Glaubens. Doch was sollen wir heute überhaupt noch glauben? Was können wir wissen? Was dürfen wir hoffen? Und wie wollen wir handeln?

Das sind die Fragen, die unser Leben bestimmen

Die Beantwortung dieser Fragen entscheidet darüber, was wir für ein Mensch sind, welche Vorstellungen, Prinzipien und Motive wir haben und somit auch, wie wir uns entwickeln werden. Jeder aufgeklärte Mensch, der für sich selbst denkt und nicht so einfältig ist, sich das Denken von anderen abnehmen zu lassen, muss somit anerkennen, dass sein gesamtes Leben sowie dessen Entwicklung von diesen so überaus grundlegend philosophischen Fragen abhängt.

Die Beantwortung dieser Fragen sollte dabei ein kohärentes Bild ergeben, ansonsten fühlt man sich hin und her gerissen und kann seinen Willen nicht wirklich auf eine einzige Richtung hin ausrichten und dementsprechend ziellos wird dann auch die eigene Entwicklung verlaufen.

Viele Herzen schlagen in unserer Brust

Oft genug verfolgen wir jedoch verschiedene Ziele und glauben auch verschiedenes, teilweise sogar sich gegenseitig ausschließendes. Natürlich ist es wichtig, vielseitig zu sein, aber oftmals sind wir dabei so schizophren, dass es uns schier zerreißt. Die einen leben unter der Woche gesund, trainieren ernsthaft und am Wochenende schießen sie sich wieder ab. Einige besinnen sich jeden Abend auf wahre Werte doch am nächsten Tag ziehen sie sie wieder in den Dreck. Wir alle predigen viel vom Wasser und doch ergeben wir uns immer wieder dem Wein. Wir sind nur in der Theorie vollkommene Menschen, doch in der Praxis bauen wir zumeist von vorne bis hinten Bockmist.

Wir sind zu leichtgläubig

Immer wieder neigen wir dazu, unseren Glauben leichtfertig zu verschenken. Wir glauben allen, die ein ehrliches Gesicht machen, selbst dann wenn sie uns einen vom Pferd erzählen. Dabei ist unser Glaube ein überaus mächtiges Werkzeug, wenn es darum geht, die eigene Entwicklung voranzubringen.

Der Glaube versetzt Berge

Der Himmel ist dort, wo Träume wahr werden und wenn Du den Himmel auf Erden erleben möchtest, dann musst Du Deine Träume verwirklichen. Hier und jetzt; in diesem Deinem Leben und das wird Dir nur dann möglich sein, wenn Du auch wirklich an Dein Potenzial glaubst, wenn Du daran glaubst, dass Du das auch wirklich schaffen und durchziehen kannst.

Aber was sind das für Träume? Du solltest sie hinterfragen, sind es wirklich ernsthafte Träume, glaubenswerte Ziele? Etwas wofür es sich wirklich zu leben und zu sterben lohnt? Was weißt Du über diese Träume? Besteht eine reelle Hoffnung darauf, dass ihre Verwirklichung im Bereich des Möglichen liegt? Die kritische Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist von überaus enormer Bedeutung für jeden einzelnen Menschen.

Der Zweifel im Denken muss stark genug sein…

denn aus ihm erwächst wahrer Glaube.

Menschen neigen immer wieder dazu, Hirngespinsten oder oberflächlichen Zielen hinterherzujagen und oftmals benötigen sie ein ganzes Leben, um schlussendlich doch zu erkennen, dass sie nur ein Scheinleben gelebt haben und nur Scheinidealen gefolgt sind, dass sie ein Leben lang auf der falschen Spur gefahren sind.

Der Glaube ist nämlich eine überaus zwiespältige Sache. Wenn wir zu unreflektiert glauben, dann glauben wir uns damit zugrunde. Wir sehen nur noch das, was wir sehen wollen und blenden alles andere aus, weil es nicht zu unseren Glaubensvorstellungen passt.

Der Glaube immunisiert sich zusehends selbst

Je länger wir dabei einem bestimmten Glauben anhängen, desto stärker kristallisieren sich dabei alle Argumente für diesen Glauben heraus und alle Kritikpunkte werden immer stärker verdrängt. Das ist ganz normal und je älter wir mit diesem Glauben werden, desto mehr verhärtet er sich auch in unserem Geist wie der Kalk in den Gelenken, denen es an Bewegung mangelt.

Wir sollten somit ganz genau darauf achten, was wir da überhaupt so glauben, denn wenn dieser Glaube zu einfach, zu einfältig, zu oberflächlich, nur für die breite Masse ist, dann wird man sich auch in genau diese Richtung entwickeln, je länger man dies glaubt und mit jedem weiteren Tag des Glaubens wird es dann schwerer, ihn in Frage zu stellen.

Der Untergang des Denkens

Wenn der Glaube stärker wird, übernimmt er zusehends die Funktion des Denkens, bis er schlussendlich ganz allein übrig bleibt. Dann heißt es nicht mehr zweifeln, denken und fragen, sondern nur noch glauben, glauben, glauben.

Diesem Verhängnis gilt es jedoch zuvorzukommen. Im reinen verstandesmäßigen Denken hat der Glaube nichts verloren. Es muss frei bleiben, kritisch und unbefangen. Es muss zum Staunen bereit sein, an bisherigem Denken und Wissen zweifeln und die wahren Ursachen ergründen. Es muss fragen, denn wer fragt, der führt; der führt sich selbst in höhere Verständnisebenen und erhebt sich so über das Tier im Menschen.

Das Wissen von heute ist der Irrtum von morgen. Wer jedoch an seinen momentan Wissensstand zu glauben beginnt, der ist somit auch ganz schnell von gestern. Nicht gerade wenigen Wissenschaftler ist es so ergangen. Sie zweifelten nicht mehr an ihrem Wissen, sie begannen daran zu glauben. Sie wurden alt und der Esprit ihres Geistes erlosch, ihr Denken wurde so verkalkt wie ihre Gelenke.

Es geht um lebenslanges Lernen

Nur derjenige Mensch, wird immer weiser, der bereit ist, ein Leben lang zu lernen, zu fragen, zu zweifeln und zu staunen. Wer hier schon glaubt, seinen Glauben gefunden zu haben, der wird es nicht mehr für nötig erachten, noch weiterzuforschen – oder zumindest nicht so weit, wie es evtl. den eigenen Glauben in Frage stellen könnte (und zumeist ist das nicht sehr weit).

Auf diese Weise erschwert es uns der Glaube leichtfertiger Art, uns weiter zu erheben über die Ebene einfachen Weltverständnisses hinaus, wie es einem unerfahrenen Vogel ergeht, wenn er eine Beute mit sich befördern möchte, die zu schwer für das Vermögen seiner Flügel ist. Der falsche Glaube belastet somit unsere Entwicklung. Wir müssen lernen, auch einmal loslassen zu können, um auf diese Weise leichter voranzukommen. Viele Menschen lassen jedoch nicht los. Sie gleichen einem Vogel, der ewig am Boden bleibt, weil er sich zu sehr in etwas verkrallt hat, das ihn mehr behindert als bestärkt.

Im Denken ist es somit nicht der Glaube, der uns beflügelt, sondern der Zweifel, das Interesse, die Neugier; der Glaube bindet uns vielmehr die Schwingen des Geistes, so dass sie nicht mehr dazu in der Lage sind, ihrer natürlichen Neigung, sich zu erheben, nachzukommen.

Abseits des Denkens jedoch…

in der Tat muss der Zweifel verstummen. Hier bedarf es des Glaubens. Denn wer in der Handlung zweifelt, der wird unsicher, der wird straucheln und über kurz oder lang zu Fall kommen. Wer jedoch zu 100% hinter dem eigenen Handeln zu stehen glaubt, der wird auch eine entsprechend hohe Erfolgsquote darin haben, wenn es darum geht, die eigenen Ziele zu verwirklichen.

Die kritische Frage jedoch, ob diese Tat auch wirklich sinnvoll und gerechtfertigt ist, ob sie einen in die richtige Richtung führt, diese Frage muss man vorher – im Denken – kritisch erwägen und beantworten und erst dann sollte man auch handeln. Ist es jedoch erst einmal so weit gekommen, dass wir handeln, dann sollten wir dies mit all unserem Glauben – mit unserem Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten und unser Potenzial –, mit all unserer Kraft machen. Hier liegt eine klare Grenzen zwischen Denken und Handeln vor. Bei vielen Menschen verschwimmt diese Grenzen oft und sie Handeln regelmäßig schon dann, wenn sie eigentlich noch zweifeln. Dementsprechend schwach und kraftlos sind dann auch ihre Handlungen und alles was sie damit gewinnen können ist der Titel: Miss Erfolg.

Der erfolgreiche Mensch…

ist somit im Denken kritisch und im Handeln gläubig.

Sein Geist entwickelt sich nämlich nur dann weiter, wenn er sich beständig selbst hinterfragt und all seine Gedanken aufrichtig reflektiert. Erst wenn er ihnen genug Widerstand durch Verstand entgegensetzt und sie so harsch kritisiert wie nur möglich, wird er sehen, welche von ihnen bestehen bleiben oder dadurch sogar noch gestärkt werden und welche dadurch ausselektiert werden, da sie zu schwach und oberflächlich sind. Das ist die Evolution der Gedanken im Kosmos (und Chaos) unseres Geistes.

Der Körper kann sich jedoch nur dann weiterentwickeln, wenn er entsprechend behandelt wird; wenn er in Handlungen involviert ist, wenn er gefordert wird und je mehr wir ihn fordern, desto stärker wird er werden und sich diesen Forderungen anpassen, quasi durch sie gefördert. Um ihm jedoch wirklich alles abverlangen zu können, dürfen wir in diesem Fall nicht an seinen Fähigkeiten, an seinem Potenzial zweifeln. Wir müssen daran glauben. Denn nur wenn wir das tun, werden wir auch verwirklichen können, was wir uns vorgenommen haben.

Die simple Erkenntnis

Wenn man sich diese ganz simplen Gedanken macht, dann kommt man wie von selbst auf diese Maxime, um die es hier im ersten Teil des Artikels geht und die unabdingbar ist, wenn man erfolgreich leben möchte:

Im Denken zweifeln, im Handeln glauben.

Auch wenn dies vorerst wirklich simpel erscheinen mag, so sind wir selbst tagtäglich von Menschen umgeben, die diesem Gedanken entgegen handeln und evtl. gehören wir selbst oft genug auch zu dieser Gruppe.

Wenn es sich umkehrt

Wie oft ist es uns schon selbst so ergangen, dass wir unseren Handlungen mit unseren eigenen Zweifeln erheblich im Wege standen und dadurch schlussendlich sogar gescheitert sind und den Zweifel dadurch sogar noch genährt haben?

Wie oft haben wir im Denken schon an scheinbare Sachverhalte und Tatsachen geglaubt, von denen wir zum Teil bitter erfahren mussten, dass wir sie lieber hätten anzweifeln sollen?

Wie oft sehen wir Menschen, denen der Glaube jegliche aktive und forschende Tätigkeit des Geistes so dramatisch in Ketten gelegt hat, dass sie mit so gewaltigen Scheuklappen durch die Welt laufen, dass sie so gut wie nichts mehr von der so überaus wunderbaren und bisher noch völlig unerforschten Faszination unserer Welt mitbekommen und überhaupt nicht mehr an ihr partizipieren wollen? Alles wird dann nur noch durch den Urgrund des eigenen Glaubens erklärt und nicht mehr als des Hinterfragens würdig erachtet. Welch tragische Sicherheit für den Verstand – aber Sicherheit macht schwach. Nur am Widerstand, im Konflikt der Gedanken wächst der Geist, wird er stark,

Wie oft spüren wir die nagenden Zweifel in vielen unserer Mitmenschen, die ihnen so enorm stark die Glieder binden, dass sie zu kaum einer Regung in der Lage sind, in der Furcht, ihre Handlung könnte misslingen.

Wer unsere Maxime somit verkehrt herum lebt, wer im Denken glaubt und im Handeln zweifelt, der wird weder seinem Geist noch seinem Körper zur Entwicklung verhelfen können. Schwäche und Erfolgslosigkeit werden sich hier einnisten und so schnell auch nicht mehr weichen. Ein Geist, der nicht mehr zweifelt, nicht mehr neugierig ist, nicht mehr dazu bereit ist, sein komplettes Weltbild zu überdenken und zu hinterfragen, ist ein schwacher Geist. Und ein Körper, der nichts mehr wagt, keine Probe mehr eingeht, jedem Kampf ausweicht und vor dem Widerstand hadert, ist ein schwacher Körper. Dies ist der Weg der Schwäche. Dies ist nicht unser Weg.

Wer darauf achtet…

sieht diesen einfachen Zusammenhang überall in unserer Gesellschaft auf zwei Beinen verwirklicht. Auch gibt es hier natürlich die beiden Zwischenformen:

Wer sowohl im Denken als auch im Handeln glaubt, der kann viel Unheil über seine Mitmenschen und auch über sich selbst bringen. Seine Motive sind nämlich überaus unreflektiert und dennoch besitzt er die Macht oder zumindest das Potenzial, diese durchzusetzen – oft genug rechtfertigt sein Glaube auch gleich alle Mittel. Hinterfragt oder gezweifelt darf hier nicht werden, das gliche dem Hochverrat am eigenen Glauben – die Selbstimmunisierung des Glaubens lässt grüßen.

Die Inquisition und die Millionen von Toten, die im Namen religiösen Massenglaubens (sprich, blinden Fanatismus) ihr Leben ließen, stehen Pate für das Verhängnis, welches in dieser Kombination verborgen liegt. Mag jemand doch glauben was er möchte, aber wenn er diesen Glauben in seine Handlungen überträgt und dann darüber hinaus auch noch versucht, der ganzen Welt, diesen Glauben aufzuzwängen, dann haben wir den Salat. Dann geschieht genau das, was nun einmal immer geschieht, wenn unreflektierte Idioten Macht haben – sie nutzen sie aus für ihre idiotischen Ziele. Dann wollen sie alle anderen Menschen dazu nötigen, ebenfalls an diese Ziele zu glauben und da nun einmal am eigenen Glauben nicht gezweifelt werden darf, muss man an allen anderen Menschen zweifeln, die nicht so glauben. Die nennt man dann Feinde, Ketzer oder Ungläubige. Sowohl die Geschichte als auch die Gegenwart beweisen dies nur all zu gut und offenbaren immer wieder aufs Neueste, welch tragische Verhängnisse sich daraus ergeben.

Der andere Fall ist bei weitem harmloser, vielmehr sogar überaus hilfreich, aber dennoch tragisch: Wer sowohl im Denken als auch im Handeln zweifelt, ist im Großen und Ganzen ein überaus wissbegieriger, aber auch theoretischer und zurückhaltender Mensch. All die feinsinnigen Menschen des Geistes, die sich vornehmlich im Elfenbeinturm ihres Geistes einsperren und sich kaum in die Gesellschaft wagen, gehören in diese Riege. Viele Wissenschaftler, Künstler und sowieso Denker aller Art gehören dazu und treiben es mit ihrem Zweifel dabei oft so weit, dass sie in ihrem Drang des Hinterfragens überaus wertvolle Erkenntnisse für die gesamte Menschheit in Erfahrung bringen können. Ihr Werk trägt gewaltig zum Fortschritt unserer gesamten Zivilisation bei.

In der Welt des Handelns, des Körpers fühlen sie sich jedoch weniger wohl. Sie zweifeln auch an ihrem körperlichen Potenzial und vernachlässigen es, treiben keinen Sport, handeln nicht bestimmt und suchen nicht den Widerstand. Sie entwickeln nur ihre geistigen Aspekte und blenden die Entwicklung ihres Körpers aus. Was übrig bleibt, ist der sehr tiefsinnige und intelligente Geist in einem schwachen Körper.

Wir sehen somit…

wir haben vier Möglichkeiten, mit dem Verhältnis von Denken und Handeln umzugehen:

1. Im Denken zweifelnd und im Handeln glaubend (Ein starker Geist in einem starken Körper – Ein insgesamt starker Mensch)

2. Im Denken glaubend und im Handeln zweifelnd (Ein schwacher Geist in einem schwachen Körper – Ein insgesamt schwacher Mensch)

3. Im Denken glaubend und im Handeln glaubend (Ein schwacher Geist in einem starken Körper – Ein insgesamt verblendeter, aber fanatischer Mensch)

4. Im Denken zweifelnd und im Handeln zweifelnd (Ein starker Geist in einem schwachen Körper – Ein insgesamt intelligenter, aber unterentwickelter Mensch)

In der Schar unserer Mitmenschen sehen wir alle vier Möglichkeiten vertreten – mal stärker und mal schwächer. Aber drei dieser Möglichkeiten weisen offenkundige Mängel auf und nur eine einzige wird für uns von Bedeutung sein, wenn es uns wirklich ernsthaft um das Ziel geht, einen starken Geist in einem starken Körper zu vereinen:

Im Denken zweifeln, im Handeln glauben!

Der Geist wächst am Denken und der Körper am Handeln. Umso eindringlicher und intensiver dieses Denken einerseits und das Handeln andererseits sind, desto stärker werden beide Aspekte unseres Selbst blühen, wachsen und gedeihen. Erfolgreiches Denken heißt dabei zweifeln und ein ebensolches Handeln glauben.

Die Kraft des Glaubens entfaltet sich somit vor allem in den körperlichen Aspekten unseres Daseins. Er ist es, der es uns ermöglicht, die überdurchschnittlichen Leistungen zu vollbringen, die wir benötigen, um damit eine überdurchschnittliche Entwicklung in Gang zu setzen. Im zweiten Teil des Artikels wollen wir sehen, inwiefern sich dieser Gedanke anhand der aktuellen Forschung am Placebo-Effekt empirisch erhärten lässt.

(cz)

 

 

 

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/lel4nd/3985490626/sizes/m/in/photostream/

 

 

 

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