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Der Meister des schwarzen Humors

27 Dezember 2011 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Georg Kreisler – Der Meister des Schwarzen Humors ist tot

Noch bis zum letzten Atemzug war der Kabarettist auf Tournee, im letzten Monat noch in Heidelberg, bis er jetzt am 22. November dieses Jahres in einer Salzburger Klinik verstarb. Im Alter von 89 Jahren an einer schweren Infektion, an der Seite seiner künstlerischen Begleiterin und vierten Frau Barbara Peters.

Der vielseitige Künstler war ein begnadeter Schriftsteller im Geiste eines Erich Kästners mit lyrischen Akzenten, zugleich ein scharfzüngiger Kritiker des Zeitgeistes, daneben Musiker, Komponist und schauspielerisch begabter Satiriker in der Größenordnung eines Karl Valentins. Mit seinen Liedern wie „Tauben vergiften im Park“ oder „Das gibt es nur in Gelsenkirchen“ in seinem zynisch provokanten Humor Wiener „Schmäh“ wurde er berühmt, aber auch boykottiert und von der Zensur heimgesucht.

Der Kabarettist wurde am 18. Juli 1922 in Wien geboren, mußte nach dem Anschluß Östereichs an Deutschland 1938 aus seiner Heimat in die USA emigrieren.Er erhielt fünf Jahre später die amerikanische Staatsbürgerschaft und arbeitete dort als Arrangeur, Pianist und Dirigent beim Film und Musicals und schrieb für die Soldaten als Truppenbetreuer Shows und Revueprogramme.

Georg Franz Kreisler kehrte 1955 nach Wien zurück und startete in der legendären „Marietta-Bar“ seine Karriere als Musiker und Kabarettist. Er verfaßte Gedichte und Lieder, schrieb Hörspiele, Theatertexte, wie die Komödie „Heut Abend: Lola Blau“. In den 60iger Jahren wurden seine Texte zunehmend politischer, so daß seiner Karabettserie im Fernsehen abgesetzt wurde und er auch im Radio nur noch seltener gespielt wurde.

Zu seiner Heimatstadt hatte er ein schwieriges Verhältnis und bemerkte u. a. zynisch „Diese Stadt hat für mich nie einen Finger gerührt“ oder „Ich bin mehr weggebissen worden als zugelassen“. Seine Beziehung zu Österreich blieb trotzdem relativ positiv, so dass er lakonisch feststellte:“ Heimat bleibt eben Heimat, auch wenn man mit ihr geschlagen ist“

1975 zog Kreisler nach Berlin und trat dort mit seiner Lebensgefährtin Barbara Peters bis 1991 im Kabarett „Die Wühlmause“ auf und hatte dort ein treues Publikum. 1992 zog der selbsternannte „Heimatlose“ in die Schweiz nach Basel, wo er sich u.a. politisch gegen deren EU-Beitritt einsetzte.

Trotz seiner mehrfachen Ankündigung seit Ende der 90iger Jahre, seinen Abschied von der Bühne zu nehmen, ging er noch einmal mit seine „Alten bösen Liedern“ auf Vortragstour und wurde zuletzt im März 2010 noch von der Stadt Bad Homburg mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Lied/Text  Blumengießen
1968, Text/Musik: Georg Kreisler
Wenn es dunkel wird in Alabama
und die Neger zücken ihr Gewehr,
dann geh ich Blumengießen, Blumengießen,
und von Neckermann schaff ich Samen an.
Wenn es brenzlig wird in Yokohama,
und man fragt sich dort: Wo kommt das her?
dann geh ich Blumengießen, Blumengießen,
denn das Immergrün macht mein Zimmer grün.
Und den Winterhecken, Kräutern,
Ringelblumen, Thymian und Mohn
kann man Politik ja nicht erläutern.
Wo ist mein Kerbelkraut? Ach ja, da ist es schon.
 
Fern in Asien passiert ein Drama.
In Belutschistan marschiert ein Heer.
Und ich geh Blumengießen, Blumengießen,
und mein Blätterkohl fühlt sich pudelwohl
beim Blumengießen, Blumengießen,
Herz, was willst du noch mehr?
 
Ich gieß Kokardenblumen und Ziegenbart.
Ich gieß Studentenröschen und Streu.
Ich gieß die Schlotterhose und den Katzenstart.
Ich gieß Totentrompete und Heu.
Ich gieß das Schlangenmaul und den Tränenschwamm.
Ich gieß die Hundsblumen und das Korn.
Ich gieß Schnuderbaribaum und den Hexenkamm.
Ich gieß Mains-Rhabarber und Sporn,
Pfefferblümchen, Zuckerrohr,
Wanzenkirschen und Schweineohr,
Heidenröslein und nackter Kavalier,
Sauerampfer und Teufelskraut,
Guter Heinrich und Judenkraut,
alle decken ihr’n Fressbedarf bei mir!
 
Ach, mein Nachbar soll zu den Soldaten,
und wer weiß, ob wir uns wieder sehn,
denk ich beim Blumengießen, Blumengießen,
meine Träne floß auf den Spargelsproß.
Die Schwester ging zum Advokaten.
Ihre Kinder leiden unter Föhn.
Sie sollten Blumengießen, Blumengießen.
In der Gurkenzeit braucht man Feuchtigkeit.
 
Alle wollen immer etwas ändern.
Keiner will die Zukunft, wie sie war.
Grünes gibt’s in aller Herren Ländern.
Das steht genauso da wie im vergangnen Jahr.
 
Doch den Leuten ist da nicht zu raten.
Keiner merkt, daß ich ihn übertön’
mit meinem Blumengießen, Blumengießen.
Ich schneid Ritterwurz und die Stauden kurz,
bind Tomaten fest, Kampf der Raupenpest!,
und mein Garten blüht,
und mein Garten ist schön!

(wz)

http://www.youtube.com/v/aT928WUh5QU


 

Weitere Informationen: http://www.georgkreisler.info/

Bildquelle: http://www.ub.unibas.ch/spez/bla/bla_kreisler_georg.htm

Quelle: Text/Musik Blumengießen: Georg Kreisler

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