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König der leichten Muse

2 Januar 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Johannes Heesters- König der leichten Muse verstorben

Johannes Heesters, der legendäre König der Operette und zuletzt älteste aktive Sänger und Schauspieler der Welt, verstarb im biblischen Alter von 108 Jahren am Heilig Abend letzten Jahres. Mit ihm endet eine Jahrhundert-Ära der leichten Muse im deutschsprachigen Raum. „Joopies“ Markenzeichen waren Frack, Zylinder und langer weißer Seidenschal. Jetzt bleibt der Platz des Grafen Danilo im Maxim leer und seine Paraderolle des leichtlebigen Gigolos aus Lehars Operette „Die lustige Witwe“ unbesetzt.

Heesters wurde am 5. Dezember 1903 als Kaufmannssohn im niederländischen Amersfoort geboren. Er wollte ursprünglich Priester werden. Als es danach auch mit einem Bankberuf nichts wurde,  versuchte er sich als Schauspieler. Schon als 17jahriger wechselte er nach ersten Auftritten in den großen holländischen Städten ins Operettenfach und trat 1934 erstmals an der Volksoper in Wien auf.

Seine eigentliche Karriere begann 1935 in Berlin, wo er mit seinem unwiderstehlichen Charme ein Millionenpublikumfaszinierte. Auch wegen seiner damaligen Filme „ Gasparone“,“ Hallo Janine“ und nach dem Krieg in der „Csardasfürstin“, „Im weißen Rössl“oder „Bühne frei für Marika „ fand er eine begeisterte Anhängerschaft.

Als in den 60iger Jahren das Fernsehen das Kino abzulösen begann, wurde dieses zu seiner zweiten Heimat. In den großen Samstagabend-Shows mit beeindruckender Blumenkulisse und großer Show-Treppe bereicherte er jahrzehntelang mit seinem allmählich silbern werdenden Haar die Abendunterhaltung. Auch in vielen Fernsehfilmen war er bis in die 80iger Jahre hinein der Hauptdarsteller. Als Beispiele seien hier genannt: „ Meine Schwester und ich“ oder die Serien „Zwei Münchner in Hamburg“. Unvergessen blieb auch die TV-Aufführung mit Carl-Heinz Schroth als alternde Komödianten in Neill Simon`s Bühnenstück „Sunnyboys“.

Während er sich ab den 50iger Jahren auch in Österreich wieder in die Herzen der Wiener Operettenliebhaber spielen konnte und als „Graf Danilo“ die Lebensschieflagen mit einem lustigen Lied begegnen konnte, war er in seiner niederländischen Heimat weniger gern gesehen. Hier machte ihm die von den deutschen Nationalsozialisten protegierte Karriere als Bühnen- und Filmstar einen Strich durch die Rechnung. Erst im Februar 2008, mit mehr als 100 Jahren, war es ihm erstmals wiederum vergönnt, in seiner Geburtsstadt Amersfoort aufzutreten.

Heesters stand fast bis zum letzten Atemzug auf der Bühne; noch zum 107.Geburtstag sang er mit erstaunlich kräftiger Stimme die Lieder seines Lebens wie „Ich knüpfe manche zarte Bande“ oder aus Lehars „Lustiger Witwe“ seine Parademelodie. „Da geh ich zu Maxim/ Dort bin ich sehr intim/Ich duze alle Damen /Ruf sie beim Kosenamen“! gemäß seinem Lebensmotto „Warum soll ich nicht weiterspielen, soll ich zu Hause sitzen und warten, bis man mich holt? Ich denke nicht daran, ich bleib lieber jung“! Seinen künstlerischen Nachlass vermachte er der Berliner Akademie der Künste und zog als Fazit über sein langes und aufregendes Leben: „Es ist sehr schön gewesen“.

(wz)

Weitere Informationen unter: http://www.johannes-heesters.de/2010/home.php

 

http://www.youtube.com/?v/_UE4zu25A_Q

Bildquelle: Der junge Schauspieler Johannes Heesters 1923 auf der holländischen Bühne. Heesters begann nach der Schauspielschule als Klassiker-Interpret. 1923 schloss er sich einem Operettenensemble an. © HR / Archiv Heesters

Johannes Heesters bei Schallplattenaufnahmen der Operette ‚Die lustige Witwe‘ im Jahre 1940. ©

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