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Die empathische Zivilisation

3 Januar 2012 Ein Kommentar PDF Drucken Drucken

Die empathische Zivilisation – Jeremy Rifkin

Empathie – die Fähigkeit, sich in ein anderes Lebewesen hineindenken bzw. -fühlen zu können. Dabei handelt es sich um einen Aspekt unserer Natur, der grundlegend ist für das konstruktive Miteinander. Könnten wir nicht mit anderen mitfühlen, z.B. von ihrer Trauer oder Freude ergriffen werden, so wäre es uns herzlich egal, was ihnen widerfährt. Die Vernunft allein kennt weder gut noch schlecht. Aber wir freuen uns, wenn anderen Gutes widerfährt und wir empfinden Unbehagen, wenn ihnen Schlechtes zustößt. Wir haben Mitgefühl – Empathie!

Autor Jeremy Rifkin befasst sich in seinem Buch Die empathische Zivilisation mit der Evolution der Empathie. Zu Beginn zeichnet er das Bild des „homo empathicus“. Gut nachvollziehbar verankert er den Aspekt des Mitgefühls in der menschlichen Natur. Insbesondere die wissenschaftlich fundierte Theorie der „Spiegelneuronen“ gibt ihm Rückenwind. Sind diese doch das neurobiologische Substrat der Empathie, wodurch die vormals rein psychische Fähigkeit nun eine materielle Grundlage erhält.

Im zweiten Teil des Buches konstruiert Rifkin die zivilisatorische Entwicklung unseres Kulturkreises im Hinblick auf die Entfaltung eines empathischen Bewusstseins. Stets bildet der 2. Hauptsatz der Thermodynamik den roten Faden: Jede Kultur war immer nur dann dazu fähig, sich zu behaupten und weiterzuentwickeln, wenn sie durch Institutionen, Ideen und Industrien dazu in der Lage war, mehr Ordnung als Unordnung zu schaffen. Die Erschließung neuer Energiequellen und die Optimierung des ökonomischen bzw. politischen Systems sind notwendig, um eine nach Wachstum strebende Kultur vor dem Untergang zu bewahren. Nimmt die Entropie – das Maß der Unordnung – überhand, versiegen die Energiequellen und werden keine neuen Innovationen erdacht, so driftet die betroffene Kultur ins Chaos ab und beginnt sich zu zersetzen – wie Rifkin am Bsp. des Römischen Reiches zu verdeutlichen weiß.

Im Zuge der wechselnden Zivilisationen entwickelte sich das menschliche Bewusstsein immer weiter vom ursprünglich mythologisch geprägten bis hin zum heutigen empathischen. Im dritten – und abschließenden – Teil seines Buches befasst sich Rifkin mit der „empathischen Zivilisation“ an deren Morgenröte wir uns mom. befinden. Der Preis einer solchen Entwicklung ist ein enormer Anstieg der Entropie: Unser Klima befindet sich in der Krise, die freie Marktwirtschaft dreht am Rad und unsere bevorzugten Energiequellen versiegen bzw. bringen unverantwortliche Konsequenzen mit sich. Die Welt wie wir sie kennen befindet sich am Abgrund – einerseits. Andererseits jedoch wachsen wir alle immer mehr zusammen und entwickeln uns zusehends zu einer kosmopolitischen und stark vernetzten Weltgesellschaft zusammen. Das Umwelt-Bewusstsein wächst von Tag zu Tag und zusehends wechseln postmaterialistische Ideale den vormaligen Drang nach materiellen Gütern ab. Immer mehr geht es nicht darum, im Wettkampf gegen den Planeten und andere Konkurrenten das größte Stück vom Kuchen zu erkämpfen, sondern darum, gemeinsam möglichst viel Lebensqualität für die gesamte Biosphäre zu schaffen.

Wenn wir nicht lernen, das menschliche Potenzial gemeinsam zu nutzen und nachhaltig mit unserer Natur umzugehen, dann wird unsere Kultur untergehen – das ist die Botschaft Jeremy Rifkins. Sein literarischer Appell lässt sich leicht lesen, ist gut fundiert und entwickelt eine zivilisatorische Vision, der es zu folgen gilt.

 

Informationen zum Autor

Jeremy Rifkin ist einer der bekanntesten gesellschaftlichen Vordenker unserer Zeit. Seine Bücher, in mehr als dreißig Sprachen übersetzt, bringen die großen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Zukunftsthemen auf den Punkt. Er ist Autor vieler Bestseller, darunter u.a. Der Europäische Traum (internationaler Buchpreis „Corine“), Das Ende der Arbeit, Das Biotechnische Zeitalter und Access (Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch). Jeremy Rifkin ist Gründer und Vorsitzender der Foundation on Economic Trends in Washington D.C. und unterrichtet an der renommierten Wharton School of Business. Außerdem ist Rifkin Berater für die Europäische Union und verschiedene Regierungen weltweit.

 

(cz)

Weitere Informationen: http://www.amazon.de/Die-empathische-Zivilisation-globalen-Bewusstsein/dp/3593385120/ref=sr_1_fkmr0_3?ie=UTF8&qid=1325543273&sr=8-3-fkmr0

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