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Suum cuique

8 Februar 2012 Keine Kommentare PDF Drucken Drucken

Der Rechtsnachfolger huldigt den Preußenkönig

Sanssouci, Suum cuique und die Moral der Politik

Friedrich der II, Friedrich der Große, der Alte Fritz, sein Geburtstag jährt sich dieses Jahr zum 300sten Mal. Da wird kräftigt zugelangt. Ob in Berlin, in Potsdam oder in Rheinsberg. Traditionell tut man sich etwas schwer, historisch große Personen zu würdigen. Zu politisch inkorrekt ist heute die Tatsache, dass alle Repräsentanten mindestens einen Krieg geführt haben. Das passt einfach nicht in unsere Zeit. Eine Zeit, die sich an politischer Korrektheit, repräsentativer Mittelmäßigkeit, Gleichheitswahn und Euro-Rettungsschirm zu Tode langweilt. So mancher könnte wohl den Eindruck gewinnen, dass eine Monarchie spannender, glanzvoller war als der jetzige Zustand mit unseren modernen, angepassten Repräsentanten.

Wer die Weihnachtsansprache in Erinnerung hat, weiß wovon ich spreche. Die korrekte Mischung aus lustiger Krabbelgruppe und gezielt ausgesuchter und gesellschaftlich korrekter Komparserie – sehr schön der stramme, weibliche Soldat in Luftwaffenuniform und Mimikri-Haartracht. Ja, unsere Gesellschaft soll bunt und heiter sein, aber trotz der bunten Haare und Hautfarben ist der Grauschleier auch von Blinden zu bemerken. 
Doch kommen wir wieder auf Friedrich II. Üblicherweise werden wir zu solchen Jubiläen mit unglaublichen Neuigkeiten beglückt, oft in Form einer neuen historischen Sensation, der bislang unbekannten sexuellen Orientierung, oder sensationelle Neuigkeiten wie die, dass unser Friedrich so gern mit kleinen Katzen gespielt hat.

Kommen wir zu der modernen Erinnerungskultur in Deutschland zurück. Nachdem nun unser „Halt-uns-lieb-Präsident“ sein persönliches Stahlgewitter mehr oder weniger über die Bühne gebracht hat, kommen die starken Worte, die uns Freude schenken, die Zuversicht und Vertrauen geben. Das oberste Gewissen lobt die tolerante Zuwanderungspolitik Friedrich des Großen. Der geneigte Leser wittert schon das, was nun kommen wird. Der moralische Zeigefinger in Form von Krieg, Blut, Tod, Leid, usw. So muss dann auch gesagt werden, was ganz schlimm war, in jenen Zeiten wo ein Krieg so normal war, wie ein Bauchplatscher im Nichtschwimmerbecken. Lauschen wir den Ungeheuerlichkeiten des Preußenkönigs: Die Zuwanderung galt vor allem wirtschaftlichen Motiven, jedoch nötig, um das Großmachtstreben Preußens weiter voran zu treiben. Ganz zu schweigen von der damit verbundenen militärischen Aufforstung der jung Hinzugelockten.

„Er war ein aufgeklärter Monarch, aber außenpolitisch ein Kriegsherr.“ Somit transformiert sich der alte Fritz vom Vorbild zum Trugbild in der preußischen Geschichte. Der Präsident verweist weiter auf Friedrichs II Freude am belesenen Menschen, doch hätte man an seiner Tafel wohl „einige Wahrheiten“ nicht aussprechen dürfen: „Was sein Image betraf, kannte der Herrscher kein Pardon.“ – Gott sei Dank bleibt dann doch vieles beim Alten.

(sb)

 

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