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Die Hochzeit von Himmel und Hölle

6 Mai 2016 2 Kommentare PDF Drucken Drucken

William Blake – Gut und Böse

William Blake war ein außergewöhnlicher Sozialkritiker der Romantik. Er wurde 28.11.1757 in London geboren und lebte in einer Zeit der starken religiösen und gesellschaftlichen Normen und Anpassungen. Blake wollte sich aus der erstarrten religiösen Form des orthodoxen Glaubens lösen und trat für die menschliche Freiheit ein. Seine Ansichten waren für die rechtgläubigen Christen seiner Zeit oft schockierend, aber aus heutiger Sicht revolutionär.

Blake ist der wohl eigenwilligste und unabhängigste Autor der Romantik  mit einem dunklen und sehr verschlüsselten Werk. Sein mystisches Weltbild war geprägt von Visionen, die ihn seit seinem vierten Lebensjahr heimsuchten. Leitbild seiner Werke ist sein Glaube in die Kraft der Phantasie und Gefühle. Blake widersprach völlig dem rationalen Zeitgeist des damaligen Englands, daher wurde er von seiner Zeit nicht verstanden und später nur langsam von der Öffentlichkeit wahrgenommen.

Er war Dichter, Maler und Kupferstecher zugleich und als radikaler Künstler stellte Blake seine Bücher im Alleingang her. Er schrieb selbst die Verse, entwarf die Bilder, fertigte die Druckplatten nach dem von ihm erfundenen Verfahren der Reliefradierung an und kolorierte seine Drucke. Er illustrierte zahlreiche Werke vergangener und zeitgenössischer Autoren, u. a. Dantes „Göttliche Komödie“, das Buch Hiob, Edward Youngs „Night Thoughts“, Robert Blairs „The grave“, R. J. Thorntons „Virgil“ und Miltons „Paradise Lost“. Zu seinen bekanntesten literarischen Werken zählen Songs of Innocence (1789), The Marriage of Heaven and Hell (1790–93), Europe: a Prophecy (1793), The Book of Urizen(1794), Songs of Experience (1793–94) und America: a Prophecy (1794).

Gott der Vernunft
In seinen Werken entwirft er seine eigene Mythologie. In dem Werk „Urizen“ beschreibt er den Schöpfungsprozess der Welt, an der uns unbekannte Wesen teilhaben lassen. Diese Wesen symbolisieren zugleich die Kräfte der menschlichen Psyche, so liegt im „Urizen-Mythos“ die personifizierte Energie, „Orc“, im Kampf mit dem Gott der Vernunft, „Urizen“.

Gefühle und Triebe
In seinen Werken unternimmt Blake den poetischen Versuch neue Wahrheiten über die menschliche Seele zu entdecken und aufzuzeichnen. Er ist ein Dichter, der sich in die Untiefen der Psyche wagt und die Augen nach innen öffnen wollte. Er wendet sich von der übermächtigen Vernunft ab und postuliert die Befreiung der Gefühle und Triebe.

Kräfte der Imagination
So ist die höchste Poesie für Blake eine Symbolik die sich an die Kräfte der Imagination richtet, während sie dem körperlichen Verständnis völlig verborgen bleibt. Körperliches Verständnis beruht auf Sinneswahrnehmungen und Vernunft – diese soll in Verwirrung geraten und die Kräfte der Imagination geweckt werden. Deshalb hat er sein Werk absichtlich mit seiner eigenen Mythologie verschlüsselt.

William Blake, The Marriage of Heaven and Hell

Überwindung von Gegensätzen
William Blakes Ziel ist die Befreiung des Menschen durch die Überwindung von festgefahrenen Denkschablonen und dualistisch sich bekämpfenden Gegensätzen. Der ganzheitliche universelle Zustand, der durch den Verlust von Vision und Imagination verloren gegangen ist, soll wieder hergestellt werden. Ein zentrales Thema nimmt daher immer wieder die Überwindung von Gegensätzen, wie Gut / Böse; Vernunft / Energie, Liebe /Hass, Gott/Mensch, Mensch/ Natur, Körper/ Seele in seinem Werk ein.

The Marriage of Heaven and Hell
The Marriage of Heaven and Hell ist wahrscheinlich die einflussreichste seiner Arbeiten, die seine eigenen romatischen und revolutionären Ansichten widerspiegelt. Wie auch andere Werke von Blake wurde sie mit geätzten Platten gedruckt, die Prosa, Gedichte und Illustrationen enthalten. Die 27 Platten wurden von Blake eingefärbt. Das Werk entstand zwischen 1790 und 1793 und stellt Balkes Weltansicht am deutlichsten dar – seine Vorstellung von dynamischen Beziehungen zwischen einem stabilen „Himmel“ und einer energiegeladenen „Hölle“.

 

Himmel und Hölle
Während der Engel in „The Marriage of Heaven and Hell“ als unerträglicher Besserwisser erscheint, ist der Teufel der Vertreter des poetischen Genius. Die Licht-Welt, die einschränkende Kraft der Vernunft, ist der Gegenpol der schöpferischen Hölle. Der Himmel steht für orthodoxe Religion, das Gute für sklavischen Gehorsam und verkrampfte Passivität. Die Hölle hingegen steht für den Quell des Lebens, das Böse für Kreativität und die unbewusste Kraft. In Blakes Werk erfolgt eine radikale Neubewertung der unbewussten Energie.

Die Tiger des Zorns
Blakes Befürwortung der dynamischen Energie im Gegensatz zu passivem Gehorsam macht das Zitat „Die Tiger des Zorns sind weiser als die Rosse der Belehrung“ (The tygers of wrath are wiser then the horses of instruction) aus „The Marriage of Heaven and Hell“ deutlich. Erst durch das Böse wird kreative Energie freigesetzt. Wenn der Dichter die Schöpfungskraft des poetischen Genius hat, steht er nach Blake somit auf der Seite des Teufels – er als Dichter ist unabhängig und böse. Das Böse ist also nicht negativ konnotiert, sondern ist die notwendige Bedingung menschlicher Existenz.

Gut und Böse
Für Blake sind Gut und Böse in jedem Individuum vorhandene Kräfte, die in ihrer Gegensätzlichkeit aufeinander angewiesen sind und sich ergänzen. Der Mensch braucht den Impuls sich widesprechender Kräfte, denn ohne Gegensätze ist kein Fortschritt und keine Entwicklung möglich. Er richtet sich hiermit gegen die starre Vernunftsgläubigkeit und gegen die Verleugnung des Triebes, wie sie die Religion fordert.

Seine Dichtung ist wie ein Spiegel über der Seele – sie hat nicht die Funktion gut oder moralisch zu sein, sondern sie will das Böse analysieren und aufdecken. Die berühmtesten Charaktere seiner Dichtung sind unmoralisch und haben revolutionäre Züge. Nach Blake ist die Aufgabe der Kunst, die Trennung der Gegensätze zu überwinden und das Universum wieder zu vereinen. Denn das Ziel ist die Einheit von Himmel und Hölle: The Marriage of Heaven and Hell.

(vz)


Bildquellen: www.flickr.com

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